St. Laurent

Lebendige Weingeschichte. Der St. Laurent war lange Zeit rätselhaft. Der Name deutet auf den 10. August hin, den Namenstag des heiligen Laurentius, um den sich üblicherweise die Beeren verfärben. Im Médoc existiert aber auch der Weinort St. Laurent, was eine Herkunft der Sorte aus dem Bordeaux nahe liegend machen würde – eine Theorie, die allerdings schon von Victor Vermorel, dem berühmtesten Ampelographen seiner Zeit, vor über 100 Jahren widerlegt wurde. Heute weiß man, dass die Rebsorte eindeutig vom Burgunder abstammt, wobei der zweite Elternteil des St. Laurent noch nicht gefunden werden konnte und vielleicht auch nicht mehr existiert.

Der jüngste, bis heute andauernde Abschnitt der St.-Laurent-Geschichte wird vom Weinbaugebiet Thermenregion geprägt, denn hier steht ein großer Teil der etwa 800 Hektar Gesamtanbaufläche dieser Sorte in Ertrag. Die Thermenregion ist damit das Zentrum des St.-Laurent-Anbaus und verfügt auch über die meisten Weingärten mit alten St.-Laurent-Rebstöcken.

1950 wurde die Sorte in und um Tattendorf erstmals ausgepflanzt. Schon früh engagierte sich auch Familie Reinisch für den St. Laurent und bestockte 1956 in der Riede Holzspur einen ersten Weingarten mit dieser Sorte. Die Etablierung von St. Laurent in Österreichs Rebflächen war ein wesentlicher Beitrag zur nationalen Weinkultur. St. Laurent ermöglicht wie Pinot Noir ausdrucksstarke Weine mit Körper, Struktur und vielschichtiger Eleganz. In kühlen Jahren entstehen Weine mit Pinot-Noir-Charakteristik, nach warmen Jahren ähnelt St. Laurent den Weinen von der Rhône, die überwiegend aus Syrah hergestellt werden.

Guter St. Laurent eignet sich auch für einen Ausbau in neuem Holz und ist jedenfalls ein Wein mit besonders großem Reifepotenzial.

St. Laurent Traube